Flensburger Tageblatt, 27. Januar 2005
Katastrophen-Wecker warnt vor Tsunamis
Flensburg. Ein in Norddeutschland produzierter "Katastrophen-Wecker" kann mit einem künftigen Warnsystem gegen gefährliche Flutwellen lebenswichtige Dienste leisten. Davon sind zumindest die Flensburger Entwickler und Hersteller des neuartigen Warnradios überzeugt.
"Es ist das gegenwärtig einzige und zuverlässlichste Gerät auf dem Weltmarkt", sagt der Geschäftsführer der Elektronikfirma 2wcom GmbH, Werner Drews. Entsprechende Kontakte gebe es bereits zum deutschen Zivilschutz und zum Berliner Auswärtigen Amt.
Das Warngerät funktioniert ähnlich wie ein Radio, das mit dem digitalen "Radio Data System" (RDS) ausgestattet ist. Dabei handelt es sich um ein automatisches Sendersuchsystem, das in Radios den Sender optisch anzeigt und Texte im Display sichtbar macht. Das Gerät ist robust gebaut und hat eine extrem harte Schale. Die Warn-Decoder werden von der Firma je nach Einsatzland unterschiedlich ausgestattet. Die im Katastrophenfall übermittelten RDS-Impulse lösen den Alarm aus. Der dabei entstehende Ton ist so laut, dass ein Gerät pro Haus ausreicht. Gleichzeitig leuchtet das Display knallrot auf. Zusätzlich werden Text-Informationen und über Lautsprecher Anweisungen für Verhaltensweisen gegeben.
"Wir sehen ganz deutlich, dass das Warnradio auch bei Tsunamis für viele, viele Menschen eine große Hilfe sein könnte", ist 2wcom-Sprecherin Barbara Petersen überzeugt. Das Gerät wäre für Menschen in Gefährdungsregionen die wichtigste Endstufe eines kompletten Frühwarn-Systems. Die Flensburger hätten außerdem bereits ein Konzept parat, wie in Dörfern von Schwellenländern an zentralen Plätzen solar betriebene RDS-Empfänger errichtet werden könnten.
Das kleine Unternehmen mit seinen 20 Mitarbeitern ist auf das RDS-System spezialisiert und damit nach eigenen Angaben weltweit führend. So rüstet die Firma die Sendestationen der deutschen Rundfunkanbieter mit RDS-Generatoren aus, die in ganz Europa eingesetzt werden.
Bereits seit 2003 stehen in 15000 Haushalten rund um das schwedische Kernkraftwerk Barsebaek die rettenden Flensburger UKW-Radios. Das schwedische Technische Hilfswerk (Räddnings Verket) hatte die Warnradios gekauft und inzwischen 32.000 weitere Geräte angeschafft. Mit den mobilen Warn-Klötzchen soll die Bevölkerung auch der anderen drei Atomkraftwerke des Landes bei Zwischenfällen möglichst frühzeitig alarmiert werden.
Außerdem beginne vom Frühsommer an ein Pilotprojekt in drei kanadischen Städten, kündigt 2wcom-Vertriebsleiter Jens-Peter Polleit an. Die jüngsten Blackouts nach dem Zusammenbruch des Stromnetzes hätten die Kanadier veranlasst, den Flensburger Warnwecker zu testen. Vorteil des Gerätes: es funktioniert selbst bei einem totalen Stromausfall rund 60 Stunden lang. "Man kann dann zwar keine Musik mehr hören, aber die Warndurchsagen kommen an", so Polleit. UKW-Netze, über die RDS läuft, seien fast überall in der Welt flächendeckend vorhanden.
Die Hersteller des Warnradios gehen davon aus, dass sich bei einer möglichen Massenproduktion der Einzelpreis des Gerätes von zur zeit rund 150 Euro auf maximal 30 Euro senken lässt.


