RadioWorld June 2004

2wcom hält TMC bei ORF unter Kontrolle

Anwenderbericht - ORF / Austria by Andreas Fröschl

Wien, Österreich. Für den Abruf von Daten des Verkehrsnachrichtenkanals (traffic message channel, TMC) hat der Österreichische Rundfunk (ORF) seine Sendestationen mit A10-Decodern von 2wcom ausgestattet. Zusätzlich zu seinem Fernsehbetrieb unterhält der ORF drei nationale und neun regionale Dienste. Der erste Test des RDS-TMC-Dienstes des ORF wurde im Jahr 1991 gestartet.

Wesentlichder Vorteil

ORF TMC System 1Für das Projekt ging der ORF eine Partnerschaft mit der Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (AFI-NAG) ein. Dieses Unternehmen ist für die Planung, Finanzierung, den Bau und den Unterhalt des österreichischen Autobahn- und Schnellstraßennetzwerkes verantwortlich. Als weiterer Partner kam das BMVIT, das österreichische Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, mit an Bord.

Nach erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekten in Wien/Niederösterreich und am transalpinen Brennerpass, der Österreich mit Italien verbindet, wurde der Dienst im Oktober 2002 auf das ganze Land ausgeweitet. Der nationale RDS-TMC-Dienst verbessert die Qualität von Verkehrsinformationen erheblich. Fahrer erhalten die Informationen für ihre jeweilige Route, sobald sie im nationalen Verkehrsinformationszentrum (Traffic Information Center, TIC) des ORF eintrifft.

Der wesentliche Vorteil besteht darin, dass Informationen dann bereitgestellt werden, wenn sie am dringendsten benötigt werden, und nicht nur zu festgelegten Zeitpunkten, die das Sendeprogramm zweimal stündlich unterbrechen. Im TIC werden Nachrichten von der Polizei, den Autobahnbetreibern, Rettungsdiensten und Fahrern, sowie relevante Daten aus Bayern, Italien und der Schweiz verschlüsselt und über den nationalen Jugendsender Hitradio Ö3 versandt.

ORF TMC System 2Der ORF hat am TIC, das seinen Hauptsitz beim Hitradio Ö3 hat, einen UDP-Server installiert, um RS Radiotext, Programmtypidentifizierung (PTY), Programmservicenamen (PS), Verkehrsprogramm (TP) und TMC-Daten zu bündeln. Das TMC-Datenausgabeformat entspricht dem ALERT-C-Protokoll. Für den Austausch zwischen dem TIC und den Übertragungsstandorten werden die Daten in TCP/UDP eingebettet.

Der Datentransport erfolgt über ein WAN/LAN-Netzwerk; die RDS-Codierer sind über UDP-Client-PCs angeschlossen. Für die bestehende n+1-Sicherung der RDS-Codierer muss die UDP-Clientsoftware die Datenströme nach Bedarf umleiten. Die Umschaltinformationen werden von einem automatischen Umschalter geliefert. Diese Infrastruktur wurde vom ORF an allen 25 Hauptsendestationen eingerichtet (Abbildung 1).

In der Zwischenzeit hat der ORF seine alten RDS-Codierer ersetzt, die seit der Einführung von RDS in Österreich im Jahre1988 genutzt worden waren. Der ORF führte eine sorgfältige Auswertung des neuen C02 DSP RDS-Codierers von 2wcom durch, bevor er ihn für sowohl aktuelle Anforderungen als auch zukünftige Anwendungen auswählte (Abbildung 2).

Automatisches System

ORF TMC System 3Die Übertragungsplanungsabteilung des ORF entwickelte auch ein automatisches RDS- und TMC-Überwachungssytem. Die UDP-Clients senden über UDP/IP Impulse an eine Hauptkontrollstation, in der eine softwarebasierte UDP-Überwachung diese Signale erkennt und einen Unterbrechungszähler zurücksetzt. Sollt ein UDP-Client ausfallen, so verschickt das System automatisch Warnhinweise an das Wartungspersonal der Sendeanlage.

Die Entwicklung des 2wcom A10-Decoders wurde direkt von den Vorschlägen seitens des ORF beeinflusst. So implementierte 2wcom auf Anforderung des öffentlichen Rundfunksenders beispielsweise eine automatische Frequenzabfrage und E-Mail-Warnungen. Darüber hinaus verfügt der A10 über eine TCP/IP-Fernsteuerungsmöglichkeit (Abbildung 3).

Seit Jahren schon betreibt der ORF seine RDS-Übertragungen über viele alternative Frequenzen und greift dabei auf die Funktion Enhanced Other Network (EON) zurück. Hierdurch wird die Verwaltung des ORF-Sendernetzes zu einer sehr komplexen Angelegenheit.

Zuvor wurde eine Spezialsoftware verwendet, um die RDS-Übertragungen zu verwalten. Durch die Aufrüstung des Netzwerkes war es allerdings notwendig, das bestehende Datenbanksystem zu erneuern. Hierfür entwickelte 2wcom die Software Arcos Network, die auf einer Microsoft Access-Datenbankstruktur basiert.

Im Rahmen der Entwicklung dieses Tools implementierte 2wcom viele Vorschläge des ORF für den Umgang mit komplexen alternativen Frequenzlisten (AF), sowie für die automatische Generierung von EON-AF-Listen. Arcos verwaltet auch die Konfigurationseinstellungen der C02 DSP-Codierer für das Netzwerk.

Aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Kfz-Navigationssystemen, von denen viele der günstigeren Modelle am Markt mit nur einem Tuner ausgestattet sind, erweitert der ORF derzeit die RDS-TMC-Dienste auf seine anderen nationalen und regionalen Stationen.

Andreas Fröschl ist der Leiter Planung und Entwicklung in der RF-Planungsabteilung des ORF in Wien, Österreich.