Flensburger Tageblatt; 15. März 2003
Terrorwarnwecker made in Schleswig-Holstein
Mit Technik aus ganz Schleswig-Holstein hat die Flensburger Elektronikfirma 2wcom ein Radiovorwarnsystem entwickelt. Interessenten gibt es sogar in der US-amerikanischen Regierung.
Flensburg, Malente/Germany. Mit einer schleswig-holsteinischen Gemeinschaftsproduktion erobert ein kleines Team hochqualifizierter Flensburger Ingenieure gerade einen sensiblen Markt - das weltweit wachsende .Geschäft mit der Terrorangst. Die Elektronikschmiede 2wcom hat mit Kooperationspartnern aus Nordfriesland, Ostholstein und Flensburg jenen Radiowarnwecker entwickelt und produziert, den die Flensburger Firma gerade 15 000 Mal für den schwedischen Katastrophenschutz geliefert hat. "Räddnings Verket" stattet damit die Haushalte in der Region um das Atomkraftwerk Barsebäck aus, um die Bevölkerung im Ernstfall binnen Sekunden informieren zu können.
Der Wecker schaltet sich bei staatlicher Vorwarnung selbst ein - ganz gleich, ob er angeschaltet ist oder nicht. Das Gerät muss nicht einmal zwingend eingestöpselt sein, da es mit einem Akku über 60 Stunden ohne Netz warnfähig bleibt. 2wcom-Geschäftsführer Werner Drews ist überzeugt von seinem Wecker, der technologisch komplizierter ist als er aussieht: "Es ist das einzige Gerät auf der Welt mit zwei Tunern, das auf Warnsignale reagieren kann." Mit einem Tuner empfängt man gewöhnlichen Rundfunk, der andere bedient sich des RDS (Radio Data System), das die Sendeanlagen der Rundfunkanstalten nutzt. Es dient ausschließlich dazu, um auf einen Warnruf zu reagieren. Wenn der Katastrophenschutz über das RDS- Warngerät eine Durchsage weitergeben will - etwa nach einem Unfall im Atomkraftwerk, schaltet das Gerät automatisch laut und lässt sich dann nicht mehr herunterregeln. Der Firmenname 2wcom steht für "two way communication", womit als Wege der drahtlose über Funk sowie der drahtgebundene via Internet gemeint sind.
Das Interesse an den Terrorwarnweckern scheint international groß zu sein. In Spanien haben die Flensburger ihre Entwicklung bereits präsentiert, und inzwischen interessieren sich auch die Vereinigten Staaten: "Die USA haben starkes Interesse an einer Verbindung von einem Warnempfänger für Wetter und Terrorgefahr." Drews & Co sind bereits mit Amerikas neuer Sicherheitsbehörde, dem Homeland Security Service im Gespräch. Gegenüber Mitbewerbern haben die Norddeutschen einen echten Standortvorteil in den Staaten. Nach einem früheren Auftrag zur Funksteuerung einer großen Lastwagenflotte sind 1000 Radiostationen in den USA mit den Flensburger Sendern ausgestattet. Der deutsche Zivilschutz und das Bundesinnenministerium haben auch schon mal angefragt. 2wcom war zur richtigen Zeit mit seinem Produkt am richtigen Ort: "Den Schweden-Auftrag haben wir am 9. September 2001 bekommen", sagt Drews.
Die Skandinavier haben sich bereits eine Option für weitere 20000 Geräte gesichert - jeder Auftrag eine Arbeitsplatzsicherung für Betriebe in vielen Regionen Schleswig-Holsteins: Das Werkzeug, um die Gehäuse zu spritzen, ist bei den Eiderstedter Präzisionswerken in Oldenswort gebaut worden. Es ist eine Tonne schwer und besteht aus zwei Teilen. „Die Schablone für das erste Gehäuse kostet 100.000 Euro, jede weitere 1,50, erzählt Drews. Die Plastikspritzmaschine für das Gehäuse steht bei Internova in Malente: „Im Sekundentakt fallen unsere Gehäuse in vier Teilen raus.“ Bedruckt werden sie in Handewitt. Und die Platinen werden in Flensburg bei der Firma AMS bestückt, wo auch die Lautsprecher eingebaut werden.
Die gesamte Ingenieurleistung und Software kommen dagegen aus dem eigenen haus. Bei Kooperationen schwört Drews auf kurze Wege in der Region: „Wir hätten das Gehäuse auch in Bayern bauen können, aber das wäre nie was geworden.“


