Press Release
Weltweit großes Interesse für neues Ozean Monitoring System made in Schleswig-Holstein
31. März 2006. Das Maritime Cluster Schleswig-Holstein stellte das neue Ozean Monitoring System (OMS) Ende März auf der Meerestechnik-Messe Oceanology 2006 in London sowie auf der III. Internationalen Konferenz zur Frühwarnung vor Naturkatastrophen in Bonn vor. Das unter Federführung der Kieler Fa. Raytheon Anschütz entstehende System soll Küstenbewohner rechtzeitig vor Sturmfluten und Tsunamis warnen, den Küstenschutz verbessern und Daten für Wetterämter und Touristenzentren liefern.
Das Interesse an dem schleswig-holsteinischen OMS war überwältigend. Über 4.700 Besucher kamen allein am ersten Tag auf die weltweit größte Fachmesse für Meerestechnik in London, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren.
Das OMS besteht aus Bojen an der Meeresoberfläche und Messgeräten am Meeresboden die mit Sensoren bestückt Informationen über Wasserqualität, Wassertemperatur, Strömungs- und Windgeschwindigkeit sowie –Richtung und Wellenhöhe liefern. Fernerkundungsdaten von Satelliten und dem Überhorizontradar WERA der Fa. Helzel, Kaltenkichen, runden das System ab.
Die Daten werden in einem Lagezentrum analysiert und mit hydrographischen Untersuchungen verknüpft, um Vorhersagen von Sturmfluten oder Tsunamis zu ermöglichen. Entscheidungsträger in nationalen Institutionen können, falls erforderlich, innerhalb weniger Minuten in den betroffenen Küstengebieten Generalalarm auslösen.
Auf der Bonner Konferenz, die von 1.900 Delegierten aus aller Welt besucht wurde, forderte der ehemalige US-Präsident Bill Clinton vor allem eine Verbesserung der Frühwarnsysteme im Bereich der letzten Meile.
Hier ist das Ozean Monitoring System eines Konsortiums schleswig-holsteinischer Firmen führend.
Jens Polleit, Sales & Marketing Manager der Flensburger Fa. 2wcom „einzigartig an unserem Ozean Monitoring System ist, dass wir es bis zum Ende durchdacht haben. So ermöglichen unsere Endgeräte, die Bevölkerung preisgünstig und so umfangreich wie möglich rechtzeitig vor Katastrophen zu warnen. Nach dem verheerenden Tsunami im Indischen Ozean sind in vielen Städten nur die Moscheen von der Zerstörung verschont geblieben. Eigens für Gotteshäuser haben wir daher einen Empfänger entwickelt, der mit Hilfe der bereits vorhandenen Lautsprecheranlage ganze Stadteile warnen kann. Dieser letzte Schritt im System, wir nennen es die letzte Meile, fehlt bei allen anderen Anbietern völlig. Allein in Schweden sind schon heute 47.000 Stück unserer Warnempfänger im Einsatz, um bei Störfällen in Kernkraftwerken die Bevölkerung schnell mit entscheidenden Informationen zu versorgen.“
Die Warnmeldungen an die Bevölkerung werden mit Hilfe spezieller RDS-Encoder der Fa. 2wcom über herkömmliche UKW-Sender ausgestrahlt. Die Signale werden von entsprechenden RDS-Radioempfängern im Auto oder RDS-UKW Radioweckern auch zuhause, sogar bei Ausfall des Strom- und Telefonnetzes, empfangen.
Der im OMS integrierte Systemansatz überzeugte auch hochrangige Wissenschaftler, die maßgeblich am Global Ocean Observing System der UNESCO beteiligt sind, wie dessen europäischen Direktor Hans Dahlin und Keith Alverson, GOOS Direktor an der Intergovernmental Oceanographic Commission der UNESCO in Paris, sowie Patricio A. BERNAL, Assistant Director-General Executive Secretary Intergovernmental Oceanographic Commision.
Während bei vielen Londoner Messebesuchern die von 2wcom vorgestellte Lösung zur Warnung der Bevölkerung im Vordergrund des Interesses stand, waren Besucher aus den Anreinerstaaten des indischen Ozeans sowie Japan und China vor allem vom neuen Überhorizontradar der Fa. Helzel aus Kaltenkirchen beeindruckt.
Die Kombination dieses neuartigen Radars in Verbindung mit klassischen Küstenüberwachungsradars von Raytheon Anschütz ermöglicht es dem Nutzer, rechtzeitig eine sich aufbauende Tsunamiwelle vor der Küste zu erkennen oder die Gewalt von Sturmfluten und den Weg von tropischen Cyclonen genauer als bisher einzuschätzen. Auch Schiffsbewegungen, zum Beispiel in Zusammenhang mit Drogenschmuggel, können von dem neuen Radar großräumiger erfasst werden, als bisher: während herkömmliche Radargeräte eine Reichweite von bis zu 40 Kilometer haben, sieht das Überhorizontradar 200 Kilometer weit.
Weitere Standbesucher aus den Niederlanden, Saudi-Arabien, Spanien, Frankreich, Kanada, Thailand, Vietnam, Bangladesh, China und Indien ließen sich auf der 3-tägigen Fachmesse das Ozean Monitoring System genau erklären. Um die spanische Küste im Bereich der tief liegenden Provinz Valencia rechtzeitig vor Sturmfluten zu warnen, wird zum Beispiel erwogen, ein OMS auf der Baleareninsel Menorca zu installieren.
Wie aktuell das Thema Frühwarnsysteme ist, zeigt das Beispiel Kanada: An der Ostküste Kanadas wurde vor kurzem ein Cluster gegründet, das ähnlich aufgestellt ist, wie das Maritime Cluster Schleswig-Holstein. Das erste Projekt dieses „Canadian Center for Marine Communications“ ist „Smart Bay“, ein Ozean Monitoring System, dessen Demonstrationsanlage demnächst in Placentia Bay, Neufundland, aufgestellt werden soll.
Das schleswig-holsteinische OMS wird dank einer Landesförderung von € 2Mio. bis Ende 2007 an der Nordseeküste installiert und soll dort ebenfalls Demonstrationszwecken dienen. Die erstmalige internationale Vorstellung des OMS auf der Oceanology 2006 in London zeigte, das mit dem Marketing für das neue System jetzt rechtzeitig begonnen wurde.
Neben 2wcom, Flensburg, und Helzel Messtechnik, Kaltenkirchen sind die Firmen -4H-Jena engineering, Kiel, F³: Forschung / Fakten /Fantasie, Heikendorf, General Acoustics, Kiel, GISMA-Connectors, Neumünster, Hydromod Wissenschaftliche Beratung, Wedel, SIS Sensoren Instrumente Systeme, Klausdorf, sowie das Forschungs- und Technologiezentrum Büsum der Universität Kiel und das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR, Kiel als Projektpartner am OMS beteiligt.
Lead-Partner des Konsortiums ist das Kieler Unternehmen Raytheon Anschütz.
Die Firmen übernehmen 50% der Entwicklungskosten des Pilotsystems, das Küstenregionen vor bösen Überraschungen schützen soll. Die Londoner Messe Oceanology 06 hat eindrucksvoll belegt, wie gut die weltweiten Marktchancen für ein derartiges System stehen: schließlich leben 60% der Menschheit an den Küsten oder in Küstennähe...
Das Projekt ist eine echte Clusteraufgabe, ein Querschnittsprojekt, das die verschiedenen im Konsortium vertretenen Branchen und Wissenschaftsbereiche aber auch die potentiellen Kunden mit einem gemeinsamen Ziel verbindet und wird vom Maritimen Cluster Schleswig-Holstein begleitet und unterstützt. Das Maritime Cluster Schleswig-Holstein ist vor 8 Monaten angetreten, um in Querschnittsprojekten gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft und Politik neue, innovative Wege zu entwickeln. Träger des Clustermanagements ist die Technologieregion KERN e.V.
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